Pressespiegel 2013-2014

Gut vorbereitet in die Ausbildung starten

Immer mehr Schülerinnen und Schüler legen nach der 9. oder 10. Klasse einen Zwischenstopp am Berufsbildungszentrum Norderstedt ein, bevor sie einen Beruf ergreifen.

Kreis Segeberg. Sie gehen von der Schule ab, mit Abschluss oder ohne, sind 15 oder 16, und sie wollen noch keine Ausbildung beginnen, wissen nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen oder finden keine Lehrstelle. Doch einfach zu Hause bleiben, abhängen oder jobben ist nicht drin. "Es gibt eine Berufsschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr", sagt Stefanie Denecke, Abteilungsleiterin am Berufsbildungszentrum (BBZ) Norderstedt. Die frühere Berufsschule an der Moorbekstraße macht aber genau diesen Jugendlichen ein maßgeschneidertes Angebot: Ein Jahr lang werden sie auf den Einstieg ins Arbeitsleben vorbereitet – ein Angebot, das ankommt: In den Berufseingangsklassen haben wir einen Zuwachs um 100 Prozent, sagt Stefanie Denecke, die für den Bereich Ausbildungs- und Berufsvorbereitung verantwortlich zeichnet, ein Bildungsast im verzweigten und vielfältigen Programm des BBZ. Das Ziel formuliert die Pädagogin so: Wir wollen für wirklich jeden Schüler ein Angebot machen.

Gerade Eltern, die zweifeln, ob ihr Sohn oder ihre Tochter schon reif für eine Ausbildung ist, oder deren Kind noch keinen konkreten Berufswunsch geäußert hat, begrüßten die Berufseingangsklassen. In den sogenannten Vollzeitklassen lernen die Schüler drei Tage in der Schule, zwei Tage sind sie in einem Betrieb und schnuppern in die berufliche Praxis hinein. Sie bringen es auf mindestens drei, meist aber sechs Monate Praktikum. Das bedeutet viel Zeit, um sich an all das zu gewöhnen, was der Arbeitsalltag mit sich bringt, sagt die Pädagogin. Die Jugendlichen können die Arbeitsstelle wechseln, wenn sie feststellen, dass sie falsch gewählt haben.

Die Schüler lernen auch, wie sie mit Konflikten umgehen.

Es ist schon erstaunlich, dass die Jugendlichen nach neun oder zehn Schuljahren noch keine Vorstellung haben, was sie beruflich machen wollen. In den Schulen nimmt die Berufsvorbereitung viel Raum ein, sagt Stefanie Denecke, die sich wie ihre Kollegen auf die veränderte Situation eingestellt und für die Jugendlichen die Berufseingangsklassen konzipiert hat. Da geht es aber nicht nur darum, an Motoren zu schrauben, Büroarbeiten zu erledigen oder Kochen zu lernen. Vermittelt wird auch Verhalten. Das fängt ganz banal bei der Frage an, wie man grüßt. Die Schüler lernen aber auch, wie sie mit Konflikten umgehen, ohne gleich ausfallend zu werden, sagt die Abteilungsleiterin.

Doch die Berufseingangsklassen sind nur ein Bereich, der den Wandel in der beruflichen Bildung zeigt. Das BBZ wird zum Bildungs-Bauchladen im besten Sinne. Das Schülerbild wird bunter, die Ansprüche an die Pädagogen wachsen. Das BBZ fängt Jugendliche auf, die die Regelschulen ohne Abschluss verlassen, die nicht ausbildungsreif sind, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind und nur unzureichend Deutsch sprechen. Und auch hier werden die Jugendlichen nach dem Prinzip der Inklusion unterrichtet, Schüler mit Förderbedarf und andere gemeinsam. Wir registrieren eine Zunahme von Schülern mit psychischen Problemen wie Depressionen, mit Borderline-Symptomen, mit Autismus, sagt Denecke.

Bei uns steigt die Zahl der Schüler am Beruflichen Gymnasium kontinuierlich, sagt Rolf Kohlmeyer, Leiter des Berufsbildungszentrums in Bad Segeberg, dem etwas kleineren Gegenstück zum BBZ in Norderstedt. Viele Jugendliche mit mittlerem Bildungsabschluss, dem bisherigen Realschulabschluss, wollten auf diesem Weg das Abitur machen. Wer drei Jahre das Berufliche Gymnasium erfolgreich durchläuft, bekommt die allgemeine Hochschulreife, die zu allen Studiengängen berechtigt. Auch an den BBZ ist der gesellschaftliche Druck angekommen, wonach möglichst viele Schüler den höchsten Bildungsabschluss erreichen sollen. Der Hauptschulabschluss reicht vielen Personalchefs nicht mehr, sagt Kohlmeyer, der Zweifel hat, dass die Beruflichen Gymnasien auf Dauer existieren können. Konkurrenten um die sinkende Zahl an Schülern werden die Gemeinschaftsschulen, die nach dem Willen ebenfalls zum Abitur führen sollen.

Im Gegenzug schrumpft der klassische Kern der früheren Berufsschule: die duale Ausbildung, das Zusammenspiel von Schule und Ausbildungsbetrieben. Das BBZ in der Kreisstadt hat sich wegen zu geringer Nachfrage schon von einigen Berufen verabschiedet: Fleischer will keiner mehr werden, Bauzeichner gibt es nicht mehr, die Arbeit wird am PC erledigt, aber auch Rechtsanwalts- und Notariatsfachangestellte und einige Metallberufe sind aus dem Schulprogramm verschwunden.

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Quelle: Hamburger Abendblatt vom 02.06.2014

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