29.11.2017 DDR: Ein unsentimentaler Blick zurück


Als Jugendlicher wegen Regimekritik inhaftiert, berichtete Uwe Kaspereit über seine letzten Jahre als Staatsbürger der damaligen DDR, die er in mehreren Zuchthäusern und Arbeitslagern verbringen musste, bevor er schließlich ausreisen durfte.

Wieder einmal hatte Oberstudienrat Günter Dieckmann einen Zeitzeugen zum Thema „DDR“ in seinen Gemeinschaftskundeunterricht im Beruflichen Gymnasium/Profil Gesundheit eingeladen: Herrn Uwe Kaspereit. Im Unterschied zu sonst war dieser Einladung jedoch die Initiative einer Schülerin vorangegangen: Sie hatte im Bekanntenkreis ihrer Eltern von Herrn Kaspereits Geschichte gehört. Der Funke von Günter Dieckmanns Intention einer – wo immer möglich – Vermittlung von Geschichte aus erster Hand und im Originalton war also übergesprungen; eine schöne Bestätigung seines langjährigen Engagements in diesem Bereich.

Uwe Kaspereit war als 19-jähriger 1977 erstmalig ins Visier der DDR-Behörden geraten. Was war geschehen? Herr Kaspereit hatte – unzufrieden mit den Lebensumständen und Einschränkungen, die in der DDR herrschten – einen Ausreiseantrag gestellt. Fortan wurde er gezielt beobachtet und eine Stasiakte angelegt; diese sollte am Ende insgesamt ca. 1500 Seiten umfassen. Ein Jahr später wird er – wegen des Verteilens von Flugblättern –das erste Mal inhaftiert und letztlich zu neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Eine vorzeitige Entlassung mündet für den nach DDR-Maßstäben rebellischen und staatsfeindlichen Uwe Kaspereit in einer abermaligen Verurteilung und wesentlich längeren Inhaftierung. Nach einer Odyssee durch mehrere Zuchthäuser und Arbeitslager gelangt er schließlich doch noch in den Westen: Die Bundesrepublik hatte ihn freigekauft.

Hier traf er auf meistens aufgeschlossene, freundliche und hilfsbereite Mitbürger – ganz das Gegenteil von dem, was man ihm in der DDR über das Leben im Westen prophezeit hatte. Sicherlich nahm er auch die Schattenseiten einer freien Gesellschaft wahr. „Doch habe ich nie auch nur daran gedacht, einen Joint zu rauchen oder sonst irgendwie auf die schiefe Bahn zu geraten – ich wollte einfach nicht, dass die in der DDR recht behielten“,  so Uwe Kaspereit.

Gebannt hörten die Schülerinnen und Schüler einer Klasse des 12. Jahrgangs des Beruflichen Gymnasiums den Ausführungen von Uwe Kaspereit zu, stellten immer wieder interessierte Fragen und konnten doch manchmal nicht glauben, dass man damals für kritische Äußerungen gegen das Politestablishment solchen Repressalien ausgesetzt war.

Herr Kaspereit schloss mit der Feststellung, dass unsere Demokratie zwar nicht fehlerlos sei, aber das Beste, was wir derzeit haben. Er forderte die Schülerinnen und Schüler dazu auf, die Verantwortung anzunehmen, im jeweils eigenen Umfeld Schritte zur Verbesserung zu unternehmen.

2017 11 29 Zeitzeuge DDR